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Seitengestaltung für Sehbehinderte
Artikel 3 des Grundgesetzes besagt: "Niemand
darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden". Was sich so einfach liest, wird
gerade im Internet häufig vergessen. Dabei würde das Einhalten einiger einfacher Regeln
schon Abhilfe und Mehrwert schaffen.
Diese Grundregeln kommen zum einen Seh- und motorisch
Behinderten entgegen, zum anderen aber auch dem normalsehenden Besucher, denn was die
einen als optimal lesbar empfinden, werden die anderen sicherlich ebenfalls begrüßen.
Da die so genannten "Screen Reader" Grafiken nicht
lesen können und statt dessen nur deren ALT-Bezeichnung wiedergeben, sollte man bei der
Erstellung von Seitenlayouts auf dieses Problem achten und folgende Grundsätze
berücksichtigen:
- Alle wichtigen Informationen sollten im Textformat gestaltet
werden
- Grafiken sollten mit Alternativtexten belegt werden, die deren
Funktion eindeutig beschreiben (nicht: "Hier klicken", sondern "Zur Seite
... gelangen Sie mit einem Klick auf diese Grafik")
- Abkürzungen sollten mit Leerzeichen zwischen den Buchstaben
geschrieben werden, was allerdings für jeden Normalsehenden irritierend wirkt
- Es sollte auch auf Audiodateien verzichtet werden, da Seiten
vorgelesen werden und durch diese Töne gestört würden
Verweise sollten einige kleine Grundbedingungen erfüllen,
die nicht nur motorisch Behinderten und Blinden zugute kommen, sondern auch
Nichtbehinderten die Navigation erleichtern:
- Schaltflächen möglichst groß gestalten. So können sie
leichter identifiziert werden und ermöglichen das relativ sichere Anklicken
- Links in möglichst langen Worten gestalten, denn auch ein
Nichtbehinderter hat mitunter ein Problem damit, auf den Verweis "da" zu klicken
- Die Menüführung sollte leicht verständlich gestaltet sein,
um langes Experimentieren zu vermeiden
- Klare Bezeichnungen dessen, was sich hinter dem Verweis
befindet, sollten statt des "Hier Klicken" verwendet werden
- Wird Farbe als Orientierungsmittel verwendet, sollten
deutliche Kontraste geschaffen werden
- Klare Klickziele. Gerade bei allzu modernen Layouts hat es
eingebürgert, Links ohne Unterstrich zu verwenden, wodurch man häufig erst einmal
herumsuchen muss, bevor eine Klickmöglichkeit gefunden wird
- Lineare Struktur, bei der nicht zwischen Seiten gesprungen
wird, sondern Seiten aneinander anschließen
Auch bei der Typographie sind einige Punkte von hoher
Relevanz, die leicht umgesetzt werden können:
- Texte immer so formatieren, dass sie auch in größeren
Schriftgraden lesbar bleiben
- Auf starken Hell/Dunkel-Kontrast achten
- Fontgrößen niemals in Pixelangaben vergeben
- Corporate Identity einhalten, um eine Gewöhnung an die
Seitenstruktur nicht durch immer neue Layouts zu erschweren
- Die Rot-/Grün-Schwäche ist eine weitverbreitete Behinderung,
von der viele erst in der ersten Fahrstunde erfahren. Wichtige Entscheidungskriterien
sollten deshalb darauf verzichten, diese Farben zu verwenden
- Sätze knapp und prägnant halten
- Längere Texte durch Absätze auflockern
- Da auch das normalsehende Auge Probleme bei der Verarbeitung
zu vieler Informationen hat, sollten nicht zu viele grafische Elemente verwendet werden
- Flackernde Animationen fallen zwar auf, lenken jedoch ab. Auf
sie sollte deshalb verzichtet werden. Wenn schon Grafiken, dann entweder statische oder
nur gering animierte
Neben diesen grundlegenden Punkten können sehbehinderten
Besuchern und motorisch Behinderten auch noch andere Hilfestellungen gegeben werden:
- Keine Framesets oder, wenn dies unumgänglich ist, alternative
Textversionen ohne Frames
- Die Seiten sollten mit allen Browsern auf allen Systemen
dargestellt werden können. Hierbei erhält der Webdesigner noch einen Zusatzvorteil, da
die Seiten dann auch auf ungewöhnlicheren Anzeigeinstrumenten wie beispielsweise
Handhelds gelesen werden kann
- Da das gedruckte Wort immer noch besser lesbar als das
elektronisch angezeigte ist, sollte die Möglichkeit zum Druck geben werden
- Das W3C (World Wide Web Consortium) empfiehlt, Formulare in
zwei Versionen anzubieten: Einer, in der bereits alle Felder soweit möglich ausgefüllt
sind, und eine, in der alle Felder leer angeboten werden. Die erste Variante kommt den
motorisch Behinderten zugute, da zum Beispiel ein vorgegebenes '@' in einem E-Mail-Feld
die problematische Kombination der Tasten ALT-GR und Q verhindert. Die zweite Option kommt
den sehbehinderten Besuchern entgegen, da diese häufig nicht erkennen können, ob in
einem Formular bereits Inhalte vorgegeben sind
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